Erfolgreich mit drei Sternen.
Vor 15 Jahren legte Emil Lindemann in Berlin mit dem FJORD HOTEL am Potsdamer Platz den Grundstein für die LINDEMANN H O T E L S. Heute führt sein Sohn Lars die Dachgesellschaft mit derzeit vier Häusern und knapp 70 Mitarbeitern. Top hotel sprach mit dem 29-jährigen Geschäftsführer über das im August neueröffnete LINDEMANN'S in Berlin-Schöneberg, die Zusammenarbeit mit dem Hotelimmobilienexperten Christie + Co. sowie über die Philosophie und weitere Entwicklung des Privatunternehmens
Top hotel: Vier LINDEMANN H O T E L S gibt es derzeit im Stadtgebiet von Berlin. – Ist die kritische Masse für Sie damit erreicht?
Lars Lindemann: Gewiss nicht. Wir wollen weiter wachsen – aber mit Maß und Ziel, Schritt für Schritt. Mehrere Faktoren müssen dafür zusammenkommen: das richtige Projekt am richtigen Ort in der richtigen Größe. Maximum sind hier 100 Zimmer.
Top hotel: Was macht denn ein Lindemann Hotel aus?
Lindemann: Unser Produkt sind Drei-Sterne-Garni-Hotels in prägnanter Lage oder in einer vom Gebäude oder von der Architektur her prägnanten Immobilie, die ein auf Langfristigkeit angelegtes Hotel erlaubt. Wir konzentrieren uns aufs exzellente Zimmerprodukt und bieten eine Basisgastronomie mit Coffeeshop.
Top hotel: Wie kamen Sie an die Immobilie Ihres jüngsten Hauses, dem LINDEMANN'S in Berlin-Schöneberg? Es gab ja gleich mehrere Mitbewerber...
Lindemann: Den langjährigen Pachtvertrag zwischen den Investoren und uns haben die Immobilienexperten von Christie + Co. vermittelt. In der Tat haben wir uns erfolgreich gegen einige Mitbewerber durchgesetzt. Da wir meist Mietverträge abschließen und das bewegliche Inventar einbringen, engagieren wir uns an unseren Projekten auch finanziell maßgeblich. Das unterscheidet uns sicherlich von der Konkurrenz, die häufig nur als Betreiber agieren. Wir gehen eben auch ins Risiko und sind deshalb für Eigentümer und Investoren interessanter, zumal wir in langfristigen Zeiträumen denken.
Top hotel: War es hilfreich, einen Berater wie Christie + Co. für einen solchen Abschluss an der Seite zu haben?
Lindemann: Auf jeden Fall. Das sind engagierte Profis. Wenn man solche Experten an der Seite hat, erleichtert das bei einem solchen Deal vieles, was sonst mühselig und zeitraubend wäre. Wir haben es als sehr vorteilhaft empfunden, dass es mit Torsten Scholl von Christie + Co. einen kompetenten Mediator gab, der für beide Seiten das Optimale erreichen konnte.
Top hotel: Wie kamen Sie auf Christie + Co.? Gab es schon frühere Kontakte?
Lindemann: Mit dem auf Hotelimmobilien spezialisierten Unternehmen Christie + Co. pflegen wir seit vielen Jahren gute Kontakte. 2002 ließ mein Vater das FJORD HOTEL durch Christie taxieren. Deshalb war es für uns geradezu selbstverständlich, uns nach den guten Erfahrungen der Vergangenheit erneut an Christie zu wenden, als wir ein weiteres Hotel betreiben wollten. Im Falle des neuen LINDEMANN'S wussten die Eigentümer ja lange Zeit nicht, was sie mit der Immobilie überhaupt machen sollten. Erst als Christie von den Investoren eingeschaltet wurde, entstand die Idee, aus einem 60er-Jahre-Wohngebäude ein Lifestyle-Hotel zu machen. Und als Betreiber kamen wir zum Zuge. Das neue LINDEMANN'S mit 65 Zimmern ist unser Flaggschiff und ergänzt unser Portfolio perfekt.
Top hotel: Arbeiten Sie anders als Ihre großen Mitbewerber, die internationalen Ketten?
Lindemann: Das will ich meinen. Entscheidend ist für uns, dass man miteinander ›können‹ muss. Die Wellenlänge zwischen den Vertragspartnern muss stimmen – zwischen Eigentümer und Betreiber ebenso wie zwischen Vermittler, Eigentümer und Betreiber; schließlich will man viele Jahre gute Geschäfte machen. Deshalb spielen auch emotionale Faktoren eine Rolle. Torsten Scholl hat es hierbei wirklich gut verstanden, die beiden Parteien – beide Mittelständler und Privatunternehmer – zusammenzubringen.
Top hotel: Wie sind Sie administrativ aufgestellt?
Lindemann: Ins neue LINDEMANN'S in Schöneberg haben wir unsere Hauptverwaltung mit derzeit sechs Mitarbeitern verlegt. Sie erbringen zentrale Dienste für alle Häuser wie Reservierung, Verwaltung, Buchhaltung und Personalwesen. Die Zentralisierung birgt ein enormes Einsparpotenzial. Der Umzug ist zwar kostenintensiv und mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden, doch die Synergien lassen sich an den Zahlen ablesen. Wir haben immerhin knapp 55 Mitarbeiter in allen Häusern.
Top hotel: Welche Philosophie verfolgen die LINDEMANN H O T E L S?
Lindemann: Wir haben weder die besten noch die schönsten Hotels, da sind wir realistisch. Doch Produkt und Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen ebenso wie das Betriebsklima. Mit unseren Mitarbeitern pflegen wir eine offene Kommunikation und einen transparenten Führungsstil. Bei der Mitarbeiterauswahl sind uns neben fundiertem Fachwissen vor allem Charakter und Persönlichkeit wichtig. Unser Team ist jung, serviceorientiert und sehr qualitätsbewusst. Natürlich bilden wir auch Hotelfachleute aus.
Top hotel: Wie ist Ihr Vertrieb aufgestellt?
Lindemann: Unsere Zielgruppen sind ein guter Mix aus allen Segmenten. Konferenz- und Firmengäste gehören ebenso dazu wie Berlin-Touristen. Alle Lindemann Hotels sind natürlich über die gängigen GDS-Systeme buchbar. Darüber hinaus sind wir sehr kreativ und aktiv im Internet engagiert. Revenue- und Yield-Management gehören zu unseren täglichen Aufgaben. Deshalb brauchen wir auch keine Anbindung an eine Hotelkooperation. Die Auslastung unserer Häuser liegt weit über 80 Prozent, die Nettorate im Fjord Hotel bei rund 60 Euro.
Top hotel: Und wie geht es weiter...?
Lindemann: Wir wollen erfolgreich Drei-Sterne-Hotels in Berlin vermarkten und ein Netzwerk aufbauen. Alles, was wir planen und entscheiden, ist langfristig ausgerichtet. Wir stehen nicht unter Wachstumsdruck und können uns bei neuen Projekten die für uns besten aussuchen. Derzeit stehen wir in Verhandlungen für ein weiteres Projekt, das aber noch nicht spruchreif ist. Wieder in Berlin, da kennen wir uns aus.
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